Die Gebote

Die zehn Gebote.

Moses erkannte:
Diese Worte waren keine Drohung.
Sie waren ein Schutz.
Ein Halt für Menschen,
die sich leicht verlieren.

Mit den Tafeln stieg Moses vom Berg hinab.
Als er sah,
wie sein Volk das goldene Kalb anbetete,
wurde er zornig.
Nicht aus Hass,
sondern aus Schmerz darüber,
wie schnell Menschen vergessen.

Er sprach zu ihnen.
Klar.
Mahnend.
Und das Volk senkte den Blick
und ging auf die Knie.

Als ich das Buch weiterlas,
verstand ich,
wie diese Gebote entstanden sein sollen.
Und je länger ich darüber nachdachte,
desto deutlicher wurde mir:
Jedes dieser Worte trug Wahrheit in sich.

Und doch fragte ich mich:
Warum fällt es Menschen so schwer,
nach diesen einfachen Geboten zu leben?
Warum leiden so viele Hunger,
während andere im Überfluss leben?
Warum führen Menschen Kriege?
Warum begehren sie den Besitz
und sogar das Leben anderer?

Auch ich musste mir eingestehen,
dass ich selbst
nicht immer nach diesen Geboten gelebt habe.
Nicht aus Bosheit,
sondern aus Schwäche.
Wie so viele.

Ich wusste nicht,
wie der Zorn der Schöpfung aussehen würde.
Ob sich eines Tages die Erde öffnen
oder der Himmel seine Schleusen
nicht mehr schließen würde.
Doch ich spürte:
Alles Handeln hat Folgen.
Für den Menschen.
Und für eine Welt,
die in unzähligen Jahren entstanden
und in wenigen Jahrzehnten
fast zerstört wurde.

Langsam legte ich das Buch zur Seite.
Ich war erschöpft.
Nicht, weil es zu viel gewesen wäre,
sondern weil es nachwirkte.

Ich war nicht oft in einer Kirche gewesen.
Und doch trieb mich etwas dazu aufzustehen.
Ich ging langsam in das Gotteshaus
am Rand unserer Stadt.
Schritt für Schritt
ging ich nach vorne zum Altar.

Dort hing die Figur des gekreuzigten Jesus Christus.
Und es war mir,
als würde sie mich ansehen.
Nicht streng.
Nicht anklagend.
Sondern still.
Fast lächelnd.

Ich spürte Wärme.
Und es war mir,
als würde eine leise Stimme sagen:

Geh hinaus in deine Welt.
Lebe nach den Geboten.
Und gib ihre Worte weiter.

Da wusste ich,
dass ich noch viel Zeit brauchen würde,
um dieses Buch wirklich zu verstehen.
Doch etwas hatte sich verändert.

Ich fühlte ein warmes, leichtes Gefühl.
Keine Gewissheit über alles.
Aber Ruhe.

Und als ich hinausging,
sah ich die Welt
mit anderen Augen.


Nachwort des Autors

Dies ist eine Geschichte aus meinem Empfinden,
aus meinem Herzen heraus geschrieben.
Doch meine Geschichte von Moses
soll zum Nachdenken anrühren,
innehalten lassen
und vielleicht einen Gedanken hinterlassen,
der bleibt

© 2025 August Haug. Alle Rechte vorbehalten.

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